Rückschläge und Erfolgserlebnisse der Experimentellen Archäologie
Präsentation des Glasprojektes am Aktionstag im Germanischen Gehöft
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Am Nationalfeiertag sollte der neu errichtete Glasofen in Elsarn im Straßertal
im Rahmen des Aktionstages das erste Mal der großen Masse präsentiert werden.
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Im Vorfeld zum Aktionstag des Freilichtmuseums am 26. Oktober 2008 wurde der
Ofen auch schon das eine oder andere Mal zu ersten Probeversuchen Glas
herzustellen, in Betrieb genommen. Ein Versuch mit einem
Quarzsand-Pottasche-Kalk-Gemisch erzielte sehr vielversprechende Ergebnisse. Da
allerdings in der Zeit vom 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus vor allem ein
Quarzsand-Soda-Kalk-Gemisch nachzuweisen ist, wollte man auch mit "original
Mischverhältnissen" arbeiten.
So wurde ein weiterer Glaserzeugungsversuch mit einem Soda Gemisch gestartet.
Dieser Versuch war allerdings wenig von Erfolg gekrönt, nicht einmal nach 24
Stunden heizen, bei einer konstanten Temperatur von ca. 1100°C, gelang es, eine
glasähnliche Masse zu erzeugen. Durch Fachgespräche mit den
unterschiedlichsten Leuten aus verschiedenen, einschlägigen Berufen (Chemikern,
Glasern, Keramikern) stellte sich unter anderem heraus, dass das verwendete Soda
nicht das Richtige war (Speisesoda statt Waschsoda). Ebenso kam man erst mit der
Zeit dahinter, wie aus den Glasanalysen aus der Fachliteratur die richtigen
Mischungsverhältnisse berechnet werden konnten. Aus diesen Erkenntnissen wurden
einige neue Schlüsse gezogen. In diversen weiteren Versuchen im kleineren
Rahmen, wurde das Glasmischungsverhältnis von Gerhard Putzgruber bis zum
Aktionstag - diesmal mit reinem Soda - verbessert. Außerdem gab es erste Probeläufe
in der Verarbeitung (Perlen drehen, Glas blasen)
Der Lehmofen schmolz
Auch erste Probleme mit dem großen
Lehmofen traten auf: Er hielt den hohen Temperaturen, die erreicht werden
konnten (bis zu 1300°C) nicht stand. Nach einem zweitägigen Probelauf stellte
sich heraus, dass das Material im Innenraum abgeblättert war und der darunter
liegende Lehmbewurf zu schmelzen begann. Das wiederum führte dazu, dass die
nach unten abgeschmolzene Ofenwand den Heizkanal verstopfte. In stundenlanger mühsamer
Arbeit musste der Heizraum frei gestemmt werden um den Ofen wieder Einsatzbereit
zu machen.
Erfreuliche Überraschung beim Zweitofen
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Zudem wurde drei Wochen vor dem Aktionstag zum großen Schmelzofen ein kleinerer
"Frittofen" gebaut. Glas muss, bevor es weiter verarbeitet bzw.
geschmolzen werden kann, zuerst bei ca. 900°C über einige Stunden hinweg
gefrittet werden. Dabei entsteht eine erste Reaktion zwischen dem Sand und dem
Soda.
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Diese Temperatur sollte in dem kleineren Ofen erreicht werden um somit den
großen Glasofen etwas zu entlasten. Dieser sollte erst beim Schmelzen zum
Einsatz kommen. Bei ersten Messungen stellte sich allerdings heraus, dass auch
der kleine Ofen eine sehr hohe Temperatur erreichen konnte, auch hier waren bis
zu 1200°C möglich. Beide Öfen konnten also folglich zum Schmelzen verwendet
werden.
24 Stunden vorheizen
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Für den Glaserzeugungsprozess am 26. Oktober 2008 wurden beide Öfen bereits am
Vortag in der Früh angeheizt und je ein Glasgemisch eingesetzt, um nach 24
Stunden heizen eine gute Glasqualität zu erzielen.
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Den Besuchern am Aktionstag
sollte eine perfekte Vorführung geboten werden. Gegen 16.30 konnte man auch
erste Erfolge beobachten; das Gemisch begann zu schmelzen. So wurde auch in der
Nacht von Samstag auf Sonntag in Schichtdiensten durchgeheizt. Die Nacht war
allerdings von allerlei Pannen gezeichnet. Gegen 1 Uhr in der Früh fiel der
Schmelztiegel im Frittofen von den Stehern. Durch die große Hitze hatten sich
diese nach außen verschoben. Glücklicherweise war durch die Glut, die sich im
Brennraum gesammelt hatte der Tiegel nicht zerbrochen und das Glas konnte,
nachdem der komplette Heizkanal ausgeräumt worden war, mit einer Zange
"geborgen" und wieder eingesetzt werden. Die am Glas haftende Asche
stellte kein Problem dar, da sie bei so hohen Temperaturen verbrennt.
Weitere Rückschläge...
Aber auch der Tiegel im großen Ofen machte Probleme. Bei einem Probeblick in
die Brennkammer, nicht einmal eine halbe Stunde nach dem ersten "Tiegel-
Absturz", kam der große Schock - im Tiegel befand sich plötzlich kein
Glas mehr. Der Boden hatte einen Riss bekommen, das Glas war ausgeronnen und
hatte sich hier am Ofenboden festgesetzt, da keine Asche als Untergrund
vorhanden war. So konnten das Glas nicht mehr aus dem Ofen geholt werden. Glücklicherweise
hatte das Team aus Vorsicht einen weiteren Tiegel vorbereitet, der, mit einigen
alten Glasresten aus früheren Versuchen bestückt, neu eingesetzt werden
konnte. Abgesehen davon, dass beide Öfen noch einige Male von überschüssiger
Glut befreit werden mussten, verlief die restliche Nacht ereignislos.
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Zerbrochener
Glastiegel mit ausgeronnenem Glas |
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In der Früh waren alle von Vorfreude erfüllt, den Besuchern stolz die
Ergebnisse vorzuführen zu können. Der große Ofen machte dem Team jedoch einen
weiteren Strich durch die Rechnung. Wie erwähnt, gab es durch die hohen
Temperaturen Probleme mit der Stabilität des Brennraumes, und gegen 8 Uhr
Morgens fiel ein Stück von der Innenseite des Kamins in den Glastiegel, der
daraufhin wieder zerbrach. Auch diese Glasmischung ging verloren. Aufgrund
dessen wurde beschlossen, den Ofen für diesen Aktionstag außer Betrieb zu
setzen. Die Enttäuschung war im ersten Moment groß, beinahe 24 Stunden Arbeit
waren umsonst gewesen.
... und doch ein großer Erfolg
Immerhin gab es ja noch den Frittofen, der bis dahin perfekt funktioniert hatte.
Zudem konnte bei Aufzeichnungen festgehalten werden, dass dieser gerade einmal
1/3 des Holzes verbrauchte, das der große Schmelzofen benötigte. (Insgesamt
wurden an diesem Wochenende rund 4 m³ Holz verheizt)
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Holznachschub
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Trotz der vielen Rückschläge war das Fest für Gerhard Putzgruber und die
Glesum Sippe ein großer Erfolg. Die Besucher waren begeistert von den
Ergebnissen, staunten beim Glasperlen drehen und nicht weniger beim Glas blasen.
Leider waren die Ergebnisse noch nicht perfekt, aber immerhin gelang es, erste
Hohlgefäße (ohne Henkel oder Hals) herzustellen.
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Besucherandrang vor dem
Glasofenstand
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erste Versuche Glas zu
blasen
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Auch sonst war der Aktionstag ein voller Erfolg für das germanische Gehöft. Es
war ein wunderschöner Herbsttag und viele Leute nutzten dies, um das Gehöft zu
besuchen und waren von allen gebotenen Attraktionen und Vorführungen hellauf
begeistert. Für Kinder gab es wieder viele Stationen zum mitmachen und auch die
Erwachsenen kamen auf ihre Kosten.
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Glasringe
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Glasperlenkette (alles
aus selbst gewonnenem Glas)
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Blick in die
Schmelzkammer
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Glasblasen
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Zukunftsaussichten
Über den Winter hinweg werden die bereits gewonnenen Glasproben
"katalogisiert" und durch weitere Probeschmelzungen im Härteofen wird
versucht, das Mischungsverhältnis zu verbessern. Außerdem sollen die bisher
gewonnenen Glasproben analysiert werden, um zu sehen, wie nahe diese den
Original- Funden sind.
Da der große Glasofen leider der Hitze zum Opfer gefallen ist, wird er aller
Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr in Betrieb genommen, sondern nur noch als
Schauobjekt genutzt.
Experimentelle Archäologie, so wie sie sein soll
Der kleine Ofen funktioniert in seiner Bauweise sehr gut, allerdings wurde er
nicht für so hohe Temperaturen gebaut, wie er tatsächlich erreicht. Daher wird
im Frühjahr damit begonnen, den kleinen Ofen wieder abzutragen und aus
hitzefesteren Materialien wieder aufzubauen, um im nächsten Jahr die neuen
Schmelzversuche damit durchzuführen.
Für die Beteiligten ist dies experimentelle Archäologie in ihrer ureigensten
Form. Versuch und Irrtum, durch Tests und Proben auf Fehler aufmerksam werden,
diese verbessern und wieder daraus lernen.