Bau eines Glasofens nach römischem Muster

Link: Schematische Darstellung des Glasofens

Vom 7. bis 8. Juni zeigte man anlässlich der Aktionstage im Germanischen Gehöft Elsarn das erste Mal vor Publikum, wie früher Glas gewonnen wurde. Zu diesem Zweck wurde ein kleiner Lehmofen gebaut, in dem bei bis zu 1300 Grad Celsius in einem Schmelztiegel eine glasähnliche Masse gewonnen werden konnte. Das Problem an diesem Ofen war, dass er nur mittels eines Blasebalgs auf diese hohe Temperatur gebracht werden konnte, was viele trittkräftige Arbeiter erforderte. Zudem musste die Masse an die 20 Stunden lang ständig erhitzt werden - ein enormer Arbeitsaufwand also. Darum beschlossen der Elsarner Schmied, Gerhard Putzgruber und die Glesum Sippe, einen Glasgewinnungsofen zu bauen.

Als Vorbild wurde ein römischer Fund aus Aix-en-Provence, Signoret (Frankreich) aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. mit schlüssellochförmigem Grundriss gewählt. Öfen dieser Art wurden vielfach in Frankreich und in Westdeutschland gefunden. In Hambach gibt es ca. 30 Stück mit einem Innendurchmesser von 0,8 - 1,2 Metern. Der Nachbau sollte einen Innendurchmesser von 38 cm haben, ist also etwas kleiner. Da Glasöfen oberirdische Anlagen sind, existieren nur Funde von den Unterbauten. Die gewählte Interpretation des Oberbaus beruht einerseits auf einer Abbildung auf einer Öllampe (gefunden in Asseria; archäologisches Museum Split, Serbien) aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und natürlich auf experimenteller Basis.

 

Glas- und Glasofenfunde in nachchristlicher Zeit

Die Zentren der Glaserzeugung lagen bis zum 1. Jahrhundert vor Christus im östlichen Mittelmeerraum (Nordafrika und Westasien), die ersten Annäherungen an den europäischen Raum fanden bei den griechischen Inseln statt. Im 1. Jahrhundert nach Christus wurde ein Großteil der zeitlich typischen Gefäße in Pompej und Herculaneum (Antike Städte am Golf von Neapel) gefunden. In diesen Regionen herrschten optimale Erhaltungs- und Fundbedingungen. Aber auch in Gräbern Norditaliens, Frankreichs, des Rheinlandes und Englands wurden in Gräbern Gefäße und Schmuck aus Glas gefunden, ebenso wurden zahlreiche Glashütten ausgegraben. Generell folgte die Glasproduktion der militärischen Ausdehnung des römischen Reiches.

Der Bauvorgang

Zu Beginn wurde ein Fundament ausgehoben, das abwechselnd mit Steinen und Erde gefüllt wurde, um zu verhindern, dass der Ofen später durch sein Eigengewicht absackt. 

Die Ofengrube wird ausgehoben

Das Fundament wird gebaut

Danach wurde begonnen, die Mauern aus Lehmziegeln und faserverstärktem Lehm aufzubauen. Der Ofen soll nach der Idee eines Gasverbrennerofens funktionieren. Daher wurden vier Luftröhren in die Seitenwände des Heizschachtes eingebaut. Bei diesem Ofen wird Holz im Heizkanal mit zu wenig Luft verbrannt, sodass brennbare Gase entstehen, die anschließend im Brennraum vermischt mit Frischluft verbrannt werden. Dadurch sollte es möglich sein, ca. 1300 Grad Celsius zu erreichen.

Aufbau mit Lehm und Schilf.

Das Schilf dient zur Formung der Luftkanäle.

Ansicht von vorne: Heizschacht mit Luftröhren an den Seiten, darüber der Wärmeofen, in dem das Glas später von ca. 900°C auf Raumtemperatur abkühlen soll. Dahinter befindet sich der Brennraum.

In diesem Schacht steht später der Schmelztiegel, rechts im Bild die Öffnung zur Entnahme des fertigen Glases. Der Schornstein muss noch ca. 2m hoch aufgesetzt werden.