Experiment Glasherstellung
Zur Geschichte der Glasherstellung:
Glas ist wahrscheinlich bereits
genau so alt wie die Erde selbst. Es entsteht bei hoher Temperatur, wie zum
Beispiel bei einer Eruption eines Vulkans oder einem Blitzschlag. Schon viele
Jahrhunderte vor Christus benutzte der Mensch die aus der Glut der Vulkane entstandene
Glaslava, den Obsidian (natürlich vorkommendes Glas).
Eines der ältesten von
Menschenhand erschaffenen Glasstücke ist auf ca. 4000 - 5000 Jahre v.
Chr.
datiert und wurde in Ägypten gefunden.
Fundgrabungen zeigten, dass man
Glas ursprünglich zum Überzug von Tongefäßen verwendete. Es lag nahe, diesen
Werkstoff als Stoff an sich, ohne Tonkern, zu verarbeiten und so entstanden
erste Versuche Glas an sich herzustellen und zu verwenden. Ausgrabungen in Ägypten
zeigten Stadien der Glasherstellung vom Gemenge über die Schmelzvorgänge bis
zu fertigen Glaswaren.
Seit etwa 1400 v.Chr. wurde
Glas in Ägypten zu Gefäßen verarbeitet. Die bekannteste Verarbeitungstechnik
beruht auf dem Herstellen von Hohlgefäßen durch das Wickeln von erweichten
Glasstäbchen um einen porösen Keramikkern, der anschließend herausgekratzt
wurde. So konnten aber auch Schmuckstücke wie Glasperlen hergestellt werden.
Das Glas wurde dabei durch Beimischen von Metall-Oxiden schwarz, violett, blau,
grün, rot, gelb oder weiß gefärbt.
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Das älteste sicher zu
datierende Glasgefäß ist ein Kelch, der den Namen des ägyptischen
Pharaos Thutmosis
III. trägt und um 1450 v. Chr. entstand. Der Kelch befindet sich
heute im Staatlichen
Museum Ägyptischer Kunst in München. |
Wie wird Glas erzeugt?
Die erste bekannte Rezeptur ist
aus der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal
überliefert, die auf ca. 650 v. Chr. datiert wird: „Nimm 60 Teile Sand, 180
Teile Asche aus Meerespflanzen und 5 Teile Kreide und du erhältst Glas.“
Wir verwenden für unsere
Versuche Quarzsand, Soda (oder Pottasche) und Kalk.
Die Kelten und Germanen, die
wir versuchen darzustellen, stellten aus Glas nur Schmuckstücke her, wohingegen
die Römer schon eine Glasindustrie entwickelten und nicht nur Schmuck, sondern
auch Glasgefäße herstellten, die bei den Germanen sehr beliebt waren.
Später übernahmen die
Germanen die Technik der Glasherstellung von den Römern und stellten überall
dort Glas her, wo die Römer sich zurückgezogen hatten.
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Keltische
Fiebel mit Glasüberzug |

römisches
Glasgefäß in Form eines Weinfasses |
Zurück zum Ursprung:
Gemeinsam mit dem Schmied aus
dem Germanengehöft Elsarn, Gerhard Putzgruber, kamen wir durch diverse Gespräche
über Glasschmuck und Glasherstellung auf den Gedanken, selbst Glas
herzustellen. Das Fachwissen dazu versuchten wir uns aus diverser Literatur
anzugeignen.
Wir wussten von vornherein,
dass wir auch erst durch unsere Versuche immer wieder neues dazulernen können.
Es würde also ein langer aber sehr interessanter Weg werden, uns in der
Glasherstellung zu probieren.
So begannen wir mit unseren
Experimenten. Wir wollten selbst erfahren welcher Arbeitsaufwand und welche
Arbeitsschritte notwendig waren, bis man tatsächlich selbst ein Stück Glas vor
sich liegen hat.
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Der erste Schritt zu
unseren Versuchen Glas herzustellen bestand darin, uns einen Lehmofen
aufzubauen, in dem das Glasgemisch auf hohe Temperatur gebracht werden
konnte. Die ersten kleinen Erfolge konnten wir bereits in einem
Erstversuch im Dezember vergangen Jahres erzielen.
Aus unserem Gemisch aus
Quarzsand, Kalk und Pottasche entstand in dem Versuch tatsächlich eine
glasähnliche Masse, die durch Holzkohle und Lehm stark verunreinigt war,
da wir die Mischung bei diesem Versuch nicht in einem Schmelztiegel
zum Schmelzen brachten, sondern im Ofen im direkten Kontakt mit der Kohle
schmolzen.
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Lehmofen in Betrieb
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Nach etlichen weiteren
Experimenten, wollten wir bei den Aktionstagen im Germanischen Gehöft Elsarn
unsere Versuche Glas herzustellen dem Publikum vorführen. Bei diesen Versuchen
verwendeten wir einen Schmelztiegel, in dem das Glasgemisch als Pulver gefüllt
wurde und im Lehmofen auf hohe Temperaturen – bis zu 1300 °C gebracht wurde.
Nach ca. 8 Stunden am ersten
Tag der Aktionstage konnte sich das Ergebnis bereits sehen lassen. Einen zweiten
Versuch starteten wir am zweiten Tag, auch bei diesem waren wir mit unserem
Endergebnis sehr zufrieden.
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Die Besucher der
Aktionstage waren sehr interessiert an unserem Treiben, stellten viele
Fragen und waren verwundert, welcher Aufwand hinter der Glaserzeugung
steht.
Um das Gemisch aus
Quarzsand, Kalk und Pottasche überhaupt einmal so weit zu bringen, dass
es zu Glas schmilz, muss es vorher „gefrittet“ werden. Dies ist der
Ausdruck dafür, dass man das Gemisch im Vorfeld bei niedrigerer
Temperatur (ca. 800 – 900 °C) miteinander reagieren lässt. In dieser
Reaktion verbindet sich der Quarzsand mit der Pottasche und schäumt auf.
Diese Masse wird nach dem Abkühlen im Mörser zu einem Pulver gemahlen,
um es dann im letztendlichen Arbeitsschritt bei ca. 1300 °C zu Glas zu
schmelzen.
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Um die erforderliche
Hitze im Ofen zu erlangen musste ein Blasbalg ständig in Betrieb gehalten
werden. Wir wechselten uns immer wieder bei den Arbeiten ab und bekamen
auch ab und an Hilfe von sehr interessierten Besuchern.
Die Vorstellung
allerdings, dass der Blasbalg stundenlang betrieben werden musste war für
viele Besucher unvorstellbar. So wurde ihnen allerdings verdeutlicht, dass
die Glaserzeugung zu früheren Zeiten, ohne Hochofen und moderne
Technologie sehr viel Aufwand bedarf.
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Blasbalg ständig in
Betrieb |
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Schmelztiegel öffnen |
Alles in allem waren die
Aktionstage ein großer Erfolg. Wir lieferten gute Ergebnisse und die
Besucher waren begeistert über unsere Schilderungen von bisher gemachten
Erfahrungen. Besonderes Highlight war es auch jedes Mal, wenn wir den
Schmelztiegel öffneten, nicht nur für unsere Zuschauer, sondern auch
für uns, um zu sehen, wie weit fortgeschritten der Schmelzvorgang schon
war.
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Glasprobe ziehen |
Abkühlen des Gemisches am ersten Tag |
Verschiedene Glasproben aus
verschiedensten Versuchen |
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Unser größtes
Ziel besteht darin, aus unserem selbst gewonnenen Glas auch Schmuckgegenstände
herzustellen. Ein erster kleiner Erfolg ist ja schon vorhanden.
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Original Glasperlenfund
- ausgestellt im Naturhistorischen Museum in Wien |
Wir wollen auch bei den nächsten
Aktionstagen in Elsarn Glasversuche vorzeigen um noch mehr Wissen über die
Glaserzeugung zu bekommen und dieses dem Publikum vermitteln.